Von Hanna Posch

Musikalische Unterstützung für die Dankeskirche

Das Studierendenensemble »Unicell« und Manuel Fischer-Dieskau (Mitte) setzen sich musikalisch für die Orgel in der Dankeskirche ein. (Foto: hms)

Als der Klang der Celli durch die Luft schwebte, mochte man kaum wagen zu atmen. Die Besucher des Benefizkonzertes für die neue Orgel in der Dankeskirche erlebten am Sonntagabend nicht nur den prächtigen Klang des Violoncello solo und im Ensemble, sie wurden auch verzaubert von der Leidenschaft des Spiels. Professor Manuel Fischer-Dieskau und sein Studierendenensemble »Unicell« machten Cello zur Offenbarung.

Man könnte das Konzert auch mit dem Titel des einleitenden Stücks von Morten Lauridsen überschreiben: O magnum mysterium. Sphärisch, meditativ eingestimmt von sechs Celli des international besetzten und mit jedem Semester wechselnden Ensembles, übernahm Fischer-Dieskau charmant die Moderation. »Für mich als Musiker ist die Seele der Kirche die Orgel. Machen Sie Ihre Taschen weit auf, damit hier bald wieder ein beeindruckendes Instrument erklingen kann«, rief er die Besucher zur Spende auf. Der gefeierte Künstler, seit 2007 Professor in Mainz, ist in Wort und Geste so authentisch wie im Cellospiel. Lächelnd überträgt er seine Passion auf die Studierenden, die ihm in die Augen und auf die Hände schauen und das aufnehmen, was er an musikalischem Empfinden verströmt. Lucija, Masterstudentin, spielte voller Inbrunst Bachs Präludium aus der G-Dur Suite. Ihre Blicke schweifen suchend und selig ins Gewölbe. Der hohe zirpende, satte tiefe, volle oder leicht entschwebende Klang der Instrumente zieht sich ins Gemäuer, als ob die Steine sängen. Ein fein gesponnenes »Ave Maria« (Bach- Gounod) schließt sich im Solo und mit drei Pizzicato-Spielern an. Gänsehautgefühl überkommt schließlich die Zuhörenden bei dem Choral »Oh Haupt voll Blut und Wunden«. Mit einem Stück von Petr Eben, dem »Tanz der Sulamith« forderte Kantor Frank Scheffler die Orgel heraus. »Bei modernen Kompositionen«, scherzte er, »hört man nicht gleich, wenn die Orgel zickt.«

Feurige Volkstänze

Fischer-Dieskau arrangiert viele Kompositionen selbst, wie Béla Bartóks feurige Volkstänze für ein Duo. Auch der in unterschiedlichen Bearbeitungen bekannte »Tanz der Ritter« aus Prokofievs »Romeo und Julia« begeistert ihn. Schwere Kost für Studierende, besonders in den Oberstimmen, aber aus dem Ensemble geht eine starke, mitreißende Kraft hervor. Ganz andere Stimmungen entfalten sich im Preludio aus »Bachianas Brasileiras 1« von Heitor Villa-Lobos. Er legt in diesem Stück den ganzen Weltschmerz in die Hände von acht Celli und die sehnsüchtige Melodie in den schmelzenden Strich des Meisters. Villa-Lobos verehrte Bach und widmete die Komposition in ihrer Mischung aus lyrischem Gesang und brasilianischer Folklore dem berühmten Cellisten Pablo Casals. Jedes Instrument war auch im Schlussstück gefordert, dem »Liber Tango« von Astor Piazzolla. Der Instrumentencorpus wird als Klangraum eingesetzt, bis sich aus dem klopfenden Rhythmus langsam zarter Streicherklang löst. Ein in Körpersprache und Musikalität ausdrucksstarker Tanz entwickelt sich, grandios arrangiert. Das Publikum blieb gebannt und gespannt vom ersten bis zum letzten Ton und applaudierte minutenlang.